Konzertvorschau 2022

Requiem von Niccolò Jommelli
«Missa pro Defunctis» & «Libera me»
Requiem von Niccolò Jommelli
«Messe für die Verstorbenen»
Michel-Richard de Lalande
«De profundis clamavi»
Michel-Richard de Lalande
«Aus der Tiefe ruf ich zu Dir»

Michel-Richard de Lalande *

«De profundis clamavi»

Niccolò Jommelli: *

«Missa pro defunctis» (Requiem) & «Libera me»

Lia Andres, Sopran *

Melanie Veser, Alt *

David Munderloh, Tenor *

Reto Knöpfel, Bass *

Ensemble la fontaine, Orchester *

Lia Andres, Sopran *

Melanie Veser, Alt *

David Munderloh, Tenor *

Reto Knöpfel, Bass *

Ensemble la fontaine, Orchester *

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Michel-Richard de Lalande

(* 15. Dezember 1657 in Paris; † 18. Juni 1726 in Versailles) war ein französischer Violinist, Organist und Kom­ponist. Wegen seiner geist­lichen Werke nannte man ihn in Frank­reich den «Lully latin» (lateinischer Lully). Ab 1672 machte er eine kurze Lauf­bahn als Vio­li­nist, er­hielt aber keine An­stellung im Opern­orchester.
Daraufhin wurde er in den Jahren 1676 bis 1680 nach und nach Organist an vier Pariser Kirchen, so an Saint-Gervais als Nachfolger von Charles Couperin.

Er war bei Hofe Cembalo­lehrer von drei Prin­zes­sin­nen, den Töchtern Ludwigs XIV. Dank dieser Tätig­keit hatte er Gelegen­heit, seine ersten pro­fanen Werke zu Gehör zu bringen.

Zwei Jahre nach dem Tod von Jean-Baptiste Lully wurde de Lalande 1789 der musika­lische Günst­ling des Königs. Er er­füllte ab sofort die Funk­tion des Super­inten­danten der Hof­musik. Sein kompo­si­to­risches Schaffen er­streckte sich haupt­säch­lich auf durch den König be­stellte Kirchen­musiken. Die Musik de Lalandes voll­zieht eine Syn­these des fran­zö­sischen und ita­lie­ni­schen Stils und setzt das Werk von Marc-Antoine Charpen­tier fort. Seine Musik erreicht ihren Höhe­punkt in den Grands Motets für Solisten, Chor und Instru­men­tal­ensemble.

Sein Schaffen umfasst mehr als 300 be­kannte Werke, neben den 75 «Grands Motets» kom­po­nierte er auch unter­hal­tende Musik, wie seine be­kannten «Symphonies pour les Soupers du Roy», 18 Orchester­suiten, Bal­lette und Varia­tionen über fran­zö­sische Weih­nachts­lieder, die damals be­liebten «Noëls».

«De profundis clamavi»
(komponiert 1689)


Der Psalm 130 (Vulgata: 129) wird oft nach seinem An­fang «Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir» in der latei­nischen Form «De profundis» oder auch sechster Bus­spsalm genannt. Der Text gehört zu den tradi­tio­nellen Toten­gebeten der katho­lischen Kirche und wird u. a. im Be­gräbnis­ritus rezi­tiert.
Dieses Werk aus der Reihe der «Grands Motets» ist wohl das be­kann­teste unter de Lalandes Kirchen­kom­po­si­tionen. Zahl­reiche andere Kom­po­nisten haben diesen Psalm vertont, so Johann Sebastian Bach, Christoph Willi­bald Gluck oder auch Felix Mendelssohn-Bartholdy.

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Niccolò Jommelli

(* 10. September 1714 in Aversa bei Neapel; † 25. August 1774 in Neapel) Haben Sie schon einmal von diesem Kom­po­nisten gehört? Wohl kaum! Niccolò Jommelli war ein ita­lie­nischer Kom­ponist der neapo­litan­ischen Schule.

Er schuf 220 Bühnen­werke, da­runter mehr als 60 Opern, ausser­dem zahl­reiche Serena­den und Pasti­ccios, 15 Oratorien, 5 Messen, etliche Kanta­ten und Hunderte geist­liche Werke sowie Kammer­musik. Trotz diesem riesigen Werk ist er bei uns kaum be­kannt.

Den ersten Musik­unter­richt erhielt Jommelli von einem Kano­niker namens Muzzillo, der den Chor der Kathe­drale von Aversa leitete; auf dessen Em­pfeh­lung wurde Jommelli im Alter von 11 Jahren in das Con­ser­va­torio Sant’Onofrio auf­ge­nom­men.

Im Früh­jahr 1737 er­schien sein erstes Bühnen­werk, die Opera buffa «L’errore amoroso», am Teatro dei Fio­ren­tini in Neapel. Mit dem 1740 im Teatro Argen­tina in Rom erfolg­reich auf­ge­führten «Ricimero Re dei Goti» schuf er sein erstes Werk im Genre der Opera seria, das von nun an den Schwer­punkt seines Schaffens bildete.
Per Dekret vom 20. April 1749 wurde er zum Maestro coadiutore (Vize­kapell­meister) der Cappella Giulia am Peters­dom er­nannt, wo er am 1. Januar 1750 seinen Dienst an­tre­ten sollte. Er liess je­doch diesen Termin ver­strei­chen und begab sich statt­dessen zur Auf­füh­rung seiner Opera buffa «L’uccellatrice» nach Venedig.

Das Angebot des Herzogs Carl Eugen von Württem­berg, nach Stutt­gart zu kommen und dort als Hof­kapell­meister in seine Dienste zu treten, er­öffnete Jommelli eine neue Per­spek­tive. Im No­vem­ber 1753 er­hielt er offi­ziell sein neues Amt, das er für die nächsten 16 Jahre be­klei­dete. Sein Dienst­ver­trag ge­währte ihm weit­rei­chende Befug­nisse, die über die sonst für Hof­kapell­meister übli­chen Kom­pe­ten­zen weit hinaus­gingen. Der württembergische Hof erlebte unter Jommelli und dem gleich­zeitig mit ihm enga­gier­ten Ballett­meister Jean-Georges Noverre die wohl glanz­vollste Periode seiner Kultur­ge­schichte.

Im Jahr 1769 liess er sich wieder in der Umge­bung von Neapel nieder. Der opu­lente, mit fran­zösi­schen Ein­flüssen ange­rei­cherte Stil war in Italien aber nicht ge­fragt. Ende 1771 erlitt Jommelli einen Schlag­anfall, kom­pon­ierte aber weiter­hin Kan­taten. Am 25. August 1774 erlag er einem zweiten Schlag­anfall.

Jommellis Bedeu­tung liegt neben der Kirchen­musik haupt­säch­lich auf dem Ge­biet der Oper. Ob­wohl er auch komische Opern schrieb, zählt er in erster Linie zu den mar­kan­tes­ten Ver­tre­tern der Opera seria um die Mitte des 18. Jahr­hun­derts. Jommellis Kirchen­musik, be­son­ders sein Requiem und das Ora­to­rium «La passione di Gesù Cristo», wurden eben­falls sehr ge­schätzt. Sie be­dienen sich, wie damals in Italien üblich, ähnli­cher Stil­mittel wie die Oper, machen aber häu­figer Ge­brauch von kontra­punk­tischen Satz­tech­niken wie Kanon und Fuge. Diese ver­wend­ete Jommelli auch in seinen späten Opern, von denen es umge­kehrt hiess, sie erin­ner­ten zu sehr an Kirchen­musik.
«Missa pro defunctis» (Requiem) & «Libera me»

Die bekann­teste Toten­messe vor Mozarts un­voll­ende­tem Requiem stammt aus der Feder des zu seiner Zeit ge­feier­ten Opern­kompo­nisten Niccolò Jommelli. Die «Missa pro de­func­tis» ent­stand 1756 wäh­rend seiner Zeit als Kapell­meister am Hofe des württem­berg­ischen Herzogs Carl Eugen.

Das Werk erfuhr in der Folge eine weite Ver­brei­tung und zahl­reiche Wieder­auf­füh­rungen. Jommelli kom­po­nierte im neapo­li­ta­nischen Stil mit einer Be­setzung nur mit Streichern und Basso continuo. Die schlichten, aber wirkungs­vollen Chor­sätze sind teils poly­phon im Stile antico, teils mit Solo/Tutti-Wechseln, wäh­rend die solis­tischen Partien den Opern­kom­po­nisten er­kennen lassen.

«Libera me» ist eine Er­gän­zung (Respon­sorium) zum Requiem. Die Idee da­hinter liegt in der men­schli­chen Re­flexion über das Unge­wisse – über den Tod, den Tag des Jüngsten Gerichts oder andere uns uner­klär­liche Dinge.

Für unsere Kon­zerte orien­tier­ten wir uns an der um­fassen­den Ver­sion des En­semble Vox Luminis unter der Lei­tung von Peter Van Heygen, der uns auch das ge­samte Noten­ma­terial zur Ver­fü­gung ge­stellt hat. Herzlichen Dank
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Lia Andres, Sopran

Die in Basel aufgewachsene Sopranistin Lia Andres legte ihre Matura mit dem Schwerpunktfach Musik 2005 in Basel ab. Die Begeisterung für das Singen begleitet sie seit ihrem 7. Lebensjahr, und so schloss sie 2013 mit dem Master in Musikpädagogik an der Schola Cantorum bei Evelyn Tubb ab. Seither setzt sie ihre Studien privat bei Jakob Pilgram und Roswitha Müller in Basel und Mariette Witteveen in Den Haag fort. Sie besuchte Meisterkurse bei Margreet Honig, Lina Maria Akerlund, Mariette Witteveen und Alessandro de Marchi.
Neben ihrer vielseitigen solistischen Konzerttätigkeit arbeitet sie als Gesangspädagogin und sie ist Mitglied im professionellen Vokalensemble larynx, im Barockensemble Voces Suaves, im Chor der Bachstiftung St. Gallen, beim La Cetra Vokalensemble und bei famm. Innerhalb ihres breiten Repertoires von Monteverdi bis hin zur zeitgenössischen Musik widmet sie sich besonders der Interpretation barocker Werke.

www.lia-andres.ch

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Melanie Veser, Alt

wurde in Zürich geboren und begann nach der Matura ihr Orgelstudium an der Musikhochschule Zürich in der Klasse von Rudolf Scheidegger (Grossmünster Zürich), das sie mit dem Lehrdiplom und nach weiteren drei Jahren Studium mit dem Konzertdiplom abschloss.

Parallel studierte sie Gesang bei Rudolf A. Hartmann und später bei Jane Thorner-Mengedoht, beide an der Musikhochschule Zürich. Auch das Gesangsstudium beendete Melanie Veser mit einem Lehrdiplom.

Konzerte als Mezzosopranistin führen sie durch die ganze Schweiz, nach Italien und Irland. Bis zu ihrem Wegzug aus Zürich war sie Dozentin für Gesang im Nebenfach an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK und unterrichtete Sologesang am Konservatorium Zürich.
Heute unterrichtet sie Sologesang an der Allgemeinen Musikschule Oberwallis in Visp.

Sie sang die Hauptrolle in Maurice Ravels Oper «Das Kind und die Zauberdinge» in Zürich, im Musical «Franz von Assisi» in Visp war sie in der Rolle der Erzählerin zu hören, und in der Uraufführung des Musicals «Martin» in Visp verkörperte sie die Seele. Im Februar 2020 sang und tanzte sie die Rolle der Inez im Musical «Zorro», ebenfalls ins Visp.

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David Munderloh, Tenor Der aus den USA stammende Tenor David Munderloh schloss sein Studium an der Schola Cantorum Basiliensis mit einem Master-Diplom in Historischer Aufführungspraxis und Theorie ab. Seine Lehrer waren Hans-Joachim Beyer (Leipzig) und Gerd Türk (Basel). Wertvolle Anregungen erhielt er durch die intensive Zusammenarbeit mit Anthony Rooley, die sich auch in seiner Interpretation englischer Lautenlieder niederschlägt. David Munderloh ist als Solist u. a. auf CD-Ausgaben mit Hespèrion XXI und Le Concert des Nations (Jordi Savall), Collegium Vocale Gent (Philippe Herreweghe), dem Ricercar Consort (Philippe Pierlot) und The Harp Consort (Andrew Lawrence-King) vertreten. Er sang in Dominique Vellards Ensemble Gilles Binchois und war langjähriges Mitglied des amerikanischen Ensembles Chanticleer (Grammy Award 2000). David Munderloh lebt heute in Basel und arbeitet an Werken aus verschiedenen Epochen, von englischen Lauteliedern mit Lautenist Julian Behr bis hin zu Liedern aus dem 19. Jahrhundert. Sein Repertoire umfasst auch zeitgenössische Musik. Er erhält regelmässig Anfragen für Solopartien in Oratorien; die Evangelisten-Partien Bachs sind ihm ein besonderes Anliegen.
www.davidmunderloh.com
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Reto Knöpfel, Bass Direkt nach dem Studienabschluss mit Auszeichnung erhielt der junge Bassbariton im Sommer 2015 das Stipendium der Bayreuther Festspiele. Rege Konzerttätigkeit als Solist («Schöpfung», «Matthäus- und Johannespassion») sowie Lieder- und Arienabende führten ihn u. a. nach Baden-Baden, Budweis (Tschechien) und Bangalore (Indien). Im Jahr 2013 debütierte Reto Knöpfel mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz im Oratorium «The Armed Man» von Karl Jenkins. Weitere Highlights, wie z. B. Auftritte in der Tonhalle Zürich und im Bundeshaus Bern, folgten. Im Juni 2017 übernahm Reto Knöpfel die Basspartie in den Werken «Dixit Dominus» von Vivaldi und «Kemptener Te Deum» von Franz Xaver Richter unter Martin Messmer mit unserem Chor. Weitere Auftritte beinhalten u. a. ein Konzert an der ETH Zürich (Semperaula) sowie Liederabende in der Schweiz und in Deutschland. Reto Knöpfel ist Initiant der Konzerte «Salon Musical» auf Schloss Arenenberg. Der junge Sänger ist u. a. Stipendiat der Elsy Meyer Stiftung und der Stiftung Lyra in Zürich.
www.retoknoepfel.com
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Ensemble la fontaine, Orchester Die Musikerinnen und Musiker des Ensemble la fontaine stammen aus der ganzen Schweiz sowie aus dem europäischen Ausland und sind Spezialisten der historischen Aufführungspraxis. Inter­national tätige Solisten, Kammer­musiker, Orchester­musiker und auch Dozenten ihres Fachs treffen sich jeweils zu intensiver Proben­arbeit, Auf­nahmen und Konzerten. Ihr Schwerpunkt bildet die Musik des Barock und der Klassik. Das En­semble ist in der Grösse flexibel und kann sowohl Aufgaben als Kammer­orchester, als auch als Ora­to­rien­­orchester oder Symphonieorchester übernehmen. «Zurück zu den Quellen» ist die Losung des Ensemble la fontaine: die Orien­tierung an historischen Spielweisen, die Wahl des Instru­men­ta­ri­ums und die Benutzung von Urtexten. Durch die fein diffe­ren­zierende Artiku­lation der histo­rischen Streich­instru­mente und der Holz- und Blech­blas­instru­mente ergibt sich ein äusserst leben­diges und trans­parentes Gesamt­klangbild. Be­reits anläss­lich unseres Barock­konzerts vom Juni 2017 und unseres Ju­bi­läums­konzerts 2019 hat uns die unkom­pli­zierte und hervor­ragende Zu­sammen­arbeit mit diesem Orchester begeistert.
www.ensemble-la-fontaine.ch